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Claus und Ankes Geschichte

Ein normales Leben führen, ohne ständig den Blick auf die Uhr richten zu müssen. Für Claus F. war das jahrelang unvorstellbar. Doch dank des Mutes seiner Frau Anke und eines innovativen medizinischen Verfahrens am Klinikum Bremen-Mitte gehört die Dialyse nun der Vergangenheit an.

Ein Stück meiner Frau: Wie Claus durch eine besondere Spende sein Leben zurückgewann

Alles begann im Jahr 2007 bei einer Routineuntersuchung, als bei Claus F. ein Nierenversagen festgestellt wurde. Über Jahre hinweg verschlechterte sich sein Zustand, bis er ab Dezember 2019 auf die Dialyse angewiesen war. Der gelernte Tischlermeister entschied sich für die Bauchfelldialyse, um zunächst weiter seinem Beruf nachgehen zu können.

Nach der Diagnose der lange Weg der Dialyse

Doch der Alltag war gezeichnet von Entbehrungen: Fünfmal am Tag, sieben Tage die Woche musste er die Spüllösung wechseln. „Der Blick ist immer auf der Uhr“, erinnert sich der 63-Jährige. Ausflüge oder Besuche waren kaum möglich, da die ständige Infektionsgefahr höchste Hygiene erforderte. Die psychische Belastung durch diese Einschränkungen war enorm.

„Ich hatte Angst um meine Frau“

Anke F. war vom ersten Tag der Dialyse an bereit, ihrem Mann eine Niere zu spenden. Doch Claus zögerte jahrelang – aus Sorge um ihre Gesundheit. Erst als sich sein Zustand 2024 massiv verschlechterte und das Bauchfell für die Dialyse „verbraucht“ war, fiel die Entscheidung für die Lebendspende.

Es gab jedoch ein medizinisches Hindernis: Das Ehepaar wusste durch ihre Blutspendeausweise bereits, dass ihre Blutgruppen nicht kompatibel waren. Eine herkömmliche Transplantation hätte zur sofortigen Abstoßung des Organs geführt.

Innovation durch AB0-Immunadsorption

Hoffnung gab ein spezielles Verfahren, das nun auch am Klinikum Bremen-Mitte angeboten wird: die AB0-Immunadsorption. Dabei werden die störenden Blutgruppenantikörper gezielt aus dem Blut des Empfängers gefiltert, sodass jede Blutgruppe mit jeder anderen kompatibel gemacht werden kann.

Für Claus F. bedeutete dies eine intensive Vorbereitung. Innerhalb einer Woche vor der Operation musste er zwei- bis dreimal für jeweils etwa drei Stunden zur Behandlung. „Bedenken oder Ängste kamen nie auf“, sagt er heute rückblickend. Die Vorfreude auf ein „neues Leben“ überwog alles.

Innovation durch AB0-Immunadsorption

Exkurs: Die AB0-Immunadsorption – Brückenbauer über Blutgruppengrenzen

Normalerweise ist eine kompatible Blutgruppe die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Organspende. Sind Spender und Empfänger „AB0-inkompatibel“, würde das Immunsystem des Empfängers das neue Organ aufgrund vorhandener Blutgruppenantikörper (Anti-A oder Anti-B) sofort als fremd erkennen und abstoßen. Die SECORIM-AB0-Immunadsorption ist ein hochspezialisiertes Reinigungsverfahren für das Blutplasma, das hilft diese Barriere zu überwinden.

Wie das Verfahren funktioniert

Im Gegensatz zum klassischen Plasmaaustausch arbeitet die Immunadsorption hochselektiv. Das bedeutet:

  • Gezielte Entfernung: Im wesentlichen die für die Abstoßung verantwortlichen Blutgruppenantikörper werden aus dem Plasma gefiltert.
  • Schutz des Immunsystems: Wichtige Bestandteile der Infektabwehr (wie Immunglobuline) bleiben im Blut des Patienten weitgehend erhalten, was das Risiko für Infektionen nach der Operation senkt.
  • Effizienz: Durch hohe Plasmaflüsse von bis zu 70 ml/min können große Plasmavolumina in kurzer Zeit effektiv behandelt werden.

Der Tag der Entscheidung und der Weg zurück

Im Juni 2025 war es dann so weit: Das Organ wurde erfolgreich transplantiert. Trotz einer notwendigen Not-Operation aufgrund von Nachblutungen nach der Entfernung des Dialyse-Katheters kämpfte sich Claus Fischer zurück. Nach 25 Tagen konnte er das Krankenhaus verlassen.

Bereits drei Wochen nach der Entlassung war er wieder in der Lage, leichte Bürotätigkeiten auszuführen. Die Veränderung ist fundamental: „Ich bekam wieder Lebenslust, Kraft, wurde mobiler. Ich musste nicht mehr nach der Uhr leben. Herrlich!“

Der Tag der Entscheidung und der Weg zurück

Ein neues Band der Verbundenheit

Heute erinnert nur noch das disziplinierte Stellen seines selbstgebauten Pillendöschens an die Transplantation. Die Beziehung zwischen Anke und Claus ist durch dieses gemeinsame Erlebnis noch tiefer geworden. „Ich ziehe den Hut vor meiner mutigen und geliebten Frau“, sagt Claus voller Stolz. Und Anke F.? Sie würde es jederzeit wieder tun.

Ihre Botschaft an andere Betroffene ist klar: Habt keine Angst vor dem Verfahren, es schenkt einem das Leben zurück.

Ein neues Band der Verbundenheit

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