Tryptophan-Immunadsorption – Autoimmunität rasch und gezielt therapieren     

Diamed-Satellitensymposium bei der ANIM 2013, 23.-26. Januar 2013 in Mannheim

Mehr als 1.500 Neurologen aus ganz Deutschland und den USA nahmen an der diesjährigen 30. ANIM, der Arbeitstagung NeuroIntensiv- und Notfallmedizin, vom 23.-26. Januar im Congress Center Rosengarten in Mannheim teil. In diesem Rahmen fand am 24. Januar das Satellitensymposium Tryptophan-Immunadsorption Autoimmunität rasch und gezielt therapieren statt. Unter dem Vorsitz von Prof. Lutz Harms (Charité Universitätsmedizin, Berlin) und Prof. Reinhard Klingel (Apherese Forschungsinstitut, Köln) wurden aktuelle Ergebnisse und Erfahrungen zum Einsatz der Tryptophan-Immunadsorption bei autoimmunvermittelten neurologischen Erkrankungen präsentiert.

Einleitend gab Prof. Klingel (Apherese Forschungsinstitut, Köln) einen kurzen Überblick über den Einsatz der Immunadsorption bei verschiedenen autoimmunologischen Krankheitsbildern, wie Multipler Sklerose (MS), Myasthenia gravis, Guillain Barré Syndrom, chronisch inflammatorischer demyelinisierender Polyneuropathie (CIDP) und autoimmunen Enzephalitiden. Bei der Immunadsorption werden Auto-Antikörper gezielt entfernt, der Patient erhält sein eigenes, gereinigtes Plasma zurück. Im Gegensatz dazu wird beim Plasmaaustausch das Blutplasma des Patienten komplett verworfen und durch eine Fremdeiweißlösung ersetzt. „Dabei verwirft man aber auch zahlreiche nützliche Eiweiße und Hormone“, erklärte Prof. Klingel. Er zeigte eine Studie an 19 Patienten mit myasthenen Krisen. Hier ging der Plasmaaustausch – bei gleich guter Wirksamkeit – mit signifikant mehr Nebenwirkungen einher [ 1 ].

Prof. Harms (Charité, Berlin) erläuterte den wissenschaftlichen Stand der Tryptophan-Immunadsorption bei der CIPD. Bedingt durch die vielgestaltige Klinik der Erkrankung ist sie oftmals unterdiagnostiziert. Therapeutisch ist neben den gängigen medikamentösen Optionen die therapeutische Apherese eine Möglichkeit zur effektiven Behandlung der CIDP, so der Neurologe. In einer neueren Untersuchung brachte die Immunadsorption eine signifikante, sowie anhaltende Besserung und wurde gut vertragen [ 2 ]. In der Charité, so Harms, gilt die Immunadsorption als wichtige Therapieoption bei therapierefraktärer CIDP.

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Dr. med. Schimrigk (Klinikum Lüdenscheid) stellte den erfolgreichen Einsatz der Tryptophan-Immunadsorption zur Eskalation der Schubtherapie bei MS anhand von Daten aus verschiedenen deutschen Kliniken dar. Besonders eindrucksvoll waren die neuen Ergebnisse aus seiner eigenen Studie. In Kooperation mit Dr. med. Hoffmann (Krankenhaus Marta Maria, Halle) konnte bei 53 MS-Patienten eine signifikante Besserung der Schubsymptomatik, gemessen an der neurologischen EDS-Skala, durch die Anwendung der Tryptophan-Immunadsorption gezeigt werden. „Auch für schwangere Patientinnen, bei denen Kortison kontraindiziert ist, scheint dies eine sehr gute und verträgliche Therapieoption bei akutem MS-Schub zu sein“, betonte der Neurologe [3].  

Ganz aktuelle Daten wurden zur Immunadsorption bei autoimmunvermittelten Enzephalitiden vorgestellt. Wolfgang Köhler, (Neurologische Fachklinik, Wermsdorf), präsentierte die gerade publizierten Ergebnisse seiner bundesweiten Datenerhebung (DAPHNE) [4]. Neben Daten zum Plasmaaustausch wurden dabei erstmals auch Daten zum Einsatz der Immunadsorption bei autoimmunen Enzephalitiden erhoben. In 67% der Fälle kam es nach Therapeutischer Apherese zu einer Besserung der mRS-Werte. Alle mit Immunadsorption behandelten Patienten besserten sich klinisch. Der auf diesem Gebiet international renommierte Neurologe Prof. Bien (Epilepsiezentrum, Bielefeld) stellte die Bedeutung spezifischer Autoantikörper bei autoimmunen Epilepsien und Enzephalitiden vor und berichtete über zwölf Patienten, die in seiner Klinik mit Tryptophan-Immunadsorption behandelt worden waren. Seine eigenen Messungen ergaben, dass durch die Immunadsorption auch der Antikörpertiter im Liquor gesenkt werden kann. „Bei immunvermittelten Enzephalitiden scheint die rasche Entfernung der Autoantikörper ein wirksames Therapieprinzip im Rahmen einer kombinierten Immuntherapie zu sein“, resümierten die Neurologen Köhler und Bien.

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Therapeutische Apherese bei Patienten mit autoimmuner Enzephalitis. Ergebnisse einer aktuellen bundesweiten Datenerhebung [4] (Ehrlich, 2013). Im Mittel kam es sowohl nach Plasmaaustausch als auch nach Immunadsorption zur Verbesserung der neurologischen Symptome, gemessen an der modifizierten Rankin Skala (mRS).


Literatur

[1] Köhler W et al., Journal of Clinical Apheresis 2011; 26: 347-355. 
[2] Galldiks et al., European Neulogogy 2011; 66:183-189. 
[3] Schimrigk et al., Aktuelle Neurologie, 2012; 39:174-179.
[4] Ehrlich et al., Der Nervenarzt 2013 DOI 10.1007/s00115-012-3710-7.

Flyer "Tryptophan-Immunadsorption– Autoimmunität rasch und gezielt therapieren "

Weitere Informationen zur Immunadsorption

Rückblick: Satellitensymposium ANIM 2010

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